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Surveys from Germany

Wachstumsbranche sucht Nachwuchs

Ergebnisse einer Geschäftsführerbefragung zu Beschäftigungsperspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten in den Optischen Technologien

In einer von OptoNet e.V. in Auftrag gegebenen Studie wurden im Sommer 2002 Geschäftsführer und Personalleiter aus Unternehmen im Bereich der Optischen Technologien zu Beschäftigungsperspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten befragt. In die Umfrage einbezogen wurden insgesamt 32 Unternehmen mit mehr als 3.700 Beschäftigten. Die Befragung wurde in Form von Interviews durchgeführt. Insgesamt enthielt der Fragebogen mehr als 100 Fragen mit folgenden Schwerpunkten:

-          Entwicklung des Unternehmens

-          Personalbedarf

-          Personalrekrutierung

-          Weiterbildungsaktivitäten

-          Qualifizierungsbedarf

-          Ausbildung

-          Altersstruktur

-          Perspektiven und Visionen

Hohe Teilnahmebereitschaft

Die Teilnahmebereitschaft der angesprochenen Repräsentanten aus den Unternehmen war sehr hoch. Auch die Interviewlänge von durchschnittlich 80 Minuten zeugt von einer großen Zustimmung zur Relevanz der Fragestellung.

Wirtschaftlicher Optimismus

Die Ergebnisse machen deutlich, dass die optische Industrie in den nächsten Jahren mit einem beträchtlichen Umsatz- und Beschäftigungszuwachs rechnet. Trotz der Nachwirkungen der Halbleiterkrise und der konjunkturellen Delle im verarbeitenden Gewerbe rechnet jedes zweite Unternehmen in kurzfristiger Perspektive mit steigenden, jedes dritte Unternehmen sogar mit stark steigenden Umsätzen. Diese positive Einschätzung der Geschäftslage steht vor dem Hintergrund eines starken Anstiegs der Firmenumsätze in den vergangenen zwei Jahren. Bei fast 2/3 der Unternehmen sind die Umsätze stark, bei weiteren 13 % leicht gestiegen. Besondere Dynamik erwarten die Unternehmen aus den Bereichen Lasertechnologie, Mikrooptik, Nanotechnologie, Mikrosystemtechnik, Optoelektronik, Sensortechnik, Signal- und Bildverarbeitung. Diese Technologien werden in immer mehr Bereichen der Industrie, im Gesundheitswesen und zunehmend auch in privaten Haushalten eingesetzt.

Akuter Nachwuchsmangel

Doch die Freude über die optimistischen Aussichten in der Thüringer Technologiebranche ist nicht ungetrübt. Während viele Firmen von einer Verdoppelung ihres Personals in den kommenden Jahren ausgehen, werden künftig weit weniger Facharbeiter und Absolventen zur Verfügung stehen, um den Nachwuchsbedarf zu decken. Hinzu kommt, dass in vielen Unternehmen ein großer Teil der Beschäftigten in einigen Jahren in Rente geht. Sorge bereitet auch das geringe Interesse der jungen Menschen an naturwissenschaftlich- technischen Berufen. Seit langem verzeichnen die Universitäten und Fachhochschulen gravierende Einbrüche bei den für die Optik relevanten Studiengängen.

Gegenwärtig gibt es in der optischen Industrie bereits Stellenbesetzungsprobleme vor allem bei Ingenieurberufen, Physikern, Technikern, Software- und Programmierspezialisten, Vertriebsexperten und Mitarbeitern mit Fremdsprachenkenntnissen, in einigen Fällen aber auch bereits bei Facharbeiterberufen wie Mechatronikern oder CNC-Facharbeitern.

Einschätzung des gegenwärtigen Arbeitsmarktangebotes

Alle Befragten gehen davon aus, dass man in Zukunft hart um Fachkräfte kämpfen werden muss. Hinzu kommt, dass bedingt durch die demographische Entwicklung in den letzten Jahren, zukünftig weit weniger Nachwuchs für eine Facharbeiterausbildung bzw. ein Studium zur Verfügung steht.

Die Mehrzahl der Befragten erwartet deutlich erschwerte Rekrutierungschancen bei

-          Ingenieuren

-          Physikern

-          Mathematikern

-          Mikrotechnologen

-          Optoelektronikern,

aber auch bei Facharbeitern:

-          Optroniker

-          Mechatroniker

-          Feinoptiker

-          Industriemechaniker

-          CNC-Spezialisten

-          Elektrotechniker

Als Gründe werden u.a. genannt:

-          die demographische Lücke

-          die geringe Studierneigung in den einschlägigen Berufen

-          die starke Verrentungswelle

-          das Abwanderungsproblem aus den neuen Bundesländern

-          das Imageproblem der optikrelevanten Berufe.

Problematisch ist in diesem Zusammenhang auch, dass in Deutschland auf Hochschulebene kaum spezifische Ausbildungsangebote für die Optischen Technologien existieren. Optikfirmen konkurrieren deshalb mit anderen Industriezweigen um die Absolventen der Physik, Werkstoffwissenschaft und Feinwerktechnik. Einige der befragten Unternehmen gaben an, dass die Absolventen oft über zu wenig optische Vorbildung verfügen und nur mangelnde Programmierkenntnisse vorweisen könnten. Teilweise wird deutlich, dass die Absolventen grundlegende Wirtschaftskenntnisse und Sozialkompetenzen vermissen lassen und nur über unzureichende Sprachkenntnisse verfügen.

Die mangelnde Qualifikation erklärt auch den hohen Bedarf an Weiterbildungsmaßnahmen besonders im technischen Bereich. Die befragten Unternehmen beabsichtigen im Durchschnitt mehr als 40 % ihrer Belegschaft in der kommenden Zeit weiterzubilden.

Résumé

Der akute Fachkräftemangel könnte den Aufschwung der Branche empfindlich bedrohen – wenn nicht neue Reserven erschlossen und Fachkräfte in ganz neuen Größenordnungen als bisher ausgebildet werden. Als besondere Maßnahmen empfehlen sich

-          eine Imageförderung durch öffentlichkeitswirksame Kampagnen, die junge Leute für Berufe in der optischen Industrie sensibilisieren,

-          die Erstellung einer detaillierten Übersicht über die verschiedenen Bildungsangebote im optischen Bereich und die damit verbundenen Zukunftsperspektiven,

-          die Schaffung von neuen, speziell auf die Optischen Technologien ausgerichteten Bildungsangeboten sowohl im Hochschulbereich als auch in der Weiterbildung.




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